Mittwoch, 8. Januar 2014

Hallo 2014!

''Es ist Neujahr, 1Uhr und ich liege bereits im Bett, ich bin zufrieden. Ein Gefühle, welches ich zurzeit sehr oft verspüre. Seit Weihnachten bin ich mir nämlich einer Sache bewusst, die sich langsam aber sicher entwickelt: Ich fühle mich wie ein echtes Mitglied dieser Familie hier. Nachdem mir viele ehemalige Austauschschüler immer erzählt haben 'Jaja, man findet seine 2. Familie, sein 2. Zuhause etc.' und ich das nie so recht glauben wollte, kann ich es hier doch zum ersten Mal so richtig spüren.'' - So haben sich meine Gedanken angehört am Ersten diesen Jahres, im Anschluss bin ich müde ins Bett gekippt anstatt weiterzuschreiben. Ich hoffe, dass ich es schaffe mich diesmal etwas kürzer zu fassen und nur die Geschehnisse wiederzugeben, Gedanken, Entwicklungen und der Gleichen kommen dann in meinem 150-Tage-Post.

Weihnachten
Normalerweise wird in Frankreich Weihnachten am 25.12. gefeiert, aber irgendwie haben wir (und wie ich gehört habe auch andere Austauschschüler) sowohl am 24. als auch am 25. gefeiert. Zuerst mit der 'kleinen Familie', also Gastmutter, Gastvater, Gastbruder und Roxana und am nächsten Tag dann noch mit meinem älteren Gastbruder plus Freundin und Kind. Wie die meisten vielleicht bereits wissen legen die Franzosen viel Wert auf ihre Küche und Essen ist hier wirklich unheimlich wichtig (zumindest für die meisten, meine Gastmutter kocht immer frisch und anders als bei anderen Gastschülern habe ich noch nie Fertignahrung vorgesetzt bekommen). Vor allem an so besonderen Ereignissen wird dann gerne etwas übertrieben. Also standen meine Gastmutter und ich an diesen beiden Tagen fast ohne Pause in der Küche (mein Gastbruder und Gastvater waren noch Geschenke kaufen, am 24...). So viel habe ich in meinem Leben noch nicht gegessen, aber es war köstlich! Ich bin keine besonders begabte Köchin (leider), jedoch lerne ich immer gerne dazu und für mich persönlich war es einfach wunderbar so viel Zeit mit meiner Gastmutter zu haben und einfach zu reden. Am 24. um Mitternacht wurden dann Geschenke getauscht, zu meiner Erleichterung und Freude haben sich alle über ihre Geschenke gefreut (besonders mein Gastbruder hat sein Hard-Rock-Café-Berlin-T-Shirt erstmal 3 Tage nicht mehr ausgezogen). Ich habe auch ein paar kleine Geschenkchen bekommen, die Geste und das sich meine Gastmutter so Gedanken um mich gemacht hat war einfach unglaublich schön. Weihnachten war hier nicht wirklich Weihnachten wie man es gewohnt ist, es war mehr ein netter Abend (oder zwei), aber anders als mich darüber zu ärgern oder traurig zu sein, habe ich einfach dieses andere Fest genossen. Ich habe auch meine Familie nicht wirklich vermisst, natürlich habe ich an sie gedacht (dazu ist Weihnachten da), aber ich wusste, dass sie jetzt auch glücklich sind wo sie sind (sei es meine Schwester bei ihrer Gastfamilie in England oder meine Eltern auf ihrem Kurz-Trip nach Krakau).

Silvester
Eigentlich hatte ich ja vor mit ein paar Mädchen aus der Oberstufe zu feiern, jedoch hat es sich so ergeben, dass sie nach und nach von ihren Familien dazu berufen wurden zuhause zu feiern und der Rest wusste dann auch nicht mehr so genau. Ich war etwas irritiert, aber da kann man ja nichts machen. Nach unendlichem hin und her mit zwei anderen Gruppen von Franzosen und Deutschen, bin ich schließlich am 27.12. (wieder) krank geworden und habe mich dazu entschlossen weder 20€ für schlechte Musik und viele unbekannte Betrunkene auszugeben, noch irgendwas anderes in die Richtung zu machen (ohnehin nicht so mein Ding). Für viele hier ist Silvester wirklich ein ganz normaler Abend, einige gehen schon vor dem Countdown ins Bett und Feuerwerk und Anstoßen gibt es eher selten bis gar nicht. In Berlin als Haupt- und Großstadt sieht das natürlich ganz anders aus, aber mir hat das nichts ausgemacht. So ist das hier halt und so ein entspannter Abend hat auch was. Daher hab ich mich mit meiner Gastmutter zum Spaß hübsch gemacht um dann Käsekuchen zu essen und vorm Fernseher zu sitzen. Um 12Uhr wurde dann doch Angestoßen und kurz noch mit meinen Eltern zuhause geskypte (das fand mein Gastvater klasse 'die Technik heutzutage, unglaublich'). Danach lag ich wie gesagt ganz schnell im Bett und bin mit einem Lächeln auf den Lippen und wunderbaren, neuen Gedanken/Plänen/Träumen eingeschlafen.

Sie kann's nicht lassen
Doch noch ein paar Gedanken dazu...Diese Feiertage hatten nichts mit all dem zu tun was ich von Zuhause gewohnt bin, das habe ich mir ja auch im vorhinein gedacht, dennoch habe ich mich gefragt: 'Wie geht Weihnachten ohne Weihnachtsstimmung/den Sinn dieses Festes/meine Familie?'; 'Wie kann man denn das neue Jahr ohne ein Feuerwerk begrüßen?'. Dabei schwang meist ein etwas wehmütiges Gefühl mit, doch an sich wusste ich, das sind schon etwas unsinnige Fragen. Ich denke für eine sechszehnjährige, die aber nur eben das gewöhnt ist, ist das normal (viele der hier ansässigen Austauschschüler haben sich die selben gestellt). Im Nachhinein und auch währenddessen habe ich verstanden wie das klappt, ganz einfach: Die Menschen machen's! Wenn man mit Leuten zusammen ist die sich um einen sorgen, die man gern hat und die einen verstehen, dann ist es egal welches Fest, welche Tradition, welches Land. Es geht mehr darum das man Beisammen ist, sich freut, Spaß hat. Natürlich wäre es interessant gewesen ein ganz anderes Silvester/Weihnachtsfest zu erleben, mit völlig anderen Traditionen und Ritualen, dafür müsste ich wahrscheinlich weiter reisen als ins Nachbarland. Bei diesen spielen dann wahrscheinlich auch andere Sachen eine größere Rolle, aber ich habe ja noch genug Zeit um auch so etwas zu erleben. Um es zusammenzufassen: Mein französischen Festtage waren in sofern anders, dass sie einfach überhaupt keine Tradition hatten. Das war auf Grund der Tatsache, dass meine Gastfamilie ziemlich gegen Kirche und Religion ist, auch wenn für mich Weihnachten nicht unbedingt Kirche ist. Jeder hat da wahrscheinlich seine eigenen Vorstellungen von und das macht doch gerade so eine Erfahrung besonders und spannend.

Mittwoch, 18. Dezember 2013

100 Tage Frankreich - Schon Weihnachten?!

Einfach dadurch, dass ich überhaupt gar nicht gemerkt habe wie die Zeit vergangen ist und das Tage zählen schon vor einiger Zeit aufgegeben habe, kommt dieser Eintrag sichtlich zu spät. Ich habe dennoch mal nachgesehen und heute ist mein 109. Tag! Weihnachten steht vor der Tür und es fühlt sich überhaupt nicht danach an. Ich war nie ein Weihnachtsmensch, der im November schon ausflippt und 3 Wochen vorher alle Geschenke eingekauft hat (wobei das schon sinnvoll wäre), hier jedoch vermisse ich dieses Weihnachts-Gefühl fast. Einerseits fühlt es sich viel zu warm an für Dezember (aber ich beschwere mich ja nicht), andererseits ist hier alles vollgehängt mit Weihnachtsschmuck, aber so richtig kauf ich das den Franzosen noch nicht ab. Adventskalender, Weihnachtsmärkte, Plätzchen backen, das gibt es hier in meiner Region erst gar nicht. Ich hätte zwar nie gedacht, dass ich das Mal sage, aber ich vermisse sogar diesen albernen Weihnachtskitsch, schrecklich-schöne Lieder und Schnee! Trotz allem bin ich gespannt auf den 25. Dezember. Auch wenn hier vielleicht der eigentliche Sinn von Weihnachten (damit meine ich nicht unbedingt den religiösen, sondern eher das Würdigen, Danken, Beisammenseins etc.) nicht so eine Rolle spielt wie beispielsweise das Essen und die Geschenke, bin ich gespannt auf dieses Erlebnis. Zu Silvester wurde ich auch schon zu 4 Feiern eingeladen und darf mich jetzt der Qual der Wahl stellen. Ich war ganz schockiert (hmm, vielleicht doch nicht schockiert), als ich gehört habe das hier überhaupt nicht sowas wie ein kleines Feuerwerk gibt und das es eigentlich nur ein normaler Abend ist. ( à la: Huch, schon 2014?)Natürlich hab ich es nicht geschafft gesund zu bleiben und bin seit dem letzten Eintrag noch zwei weitere Male krank geworden, aber ich gewöhne mich langsam fast dran.(Das war’s dann aber auch mit meinem kleinen Einblick in mein langweiliges Alltagsleben) 

Hallo Roxana! Bonjour Roxane?
Jetzt wieder ein wenig zu meinen gedanklichen Eindrücken, Erfahrungen, Schwierigkeiten. (Ungefähr) 16 Wochen, 4 Monate, 100 Tage, das hört sich schon so unglaublich lang an, doch so anfühlen tut es sich nicht. Ich bin nun wirklich ein Teil meiner Klassengemeinschaft, verstehe mich mit allen und werde jetzt als (etwas sprachlich-gehandicapter) Teil der Franzosen angesehen. Ich habe überhaupt nicht mehr das Gefühl auf der ‚anderen Seite‘ zu sein, ein Gast - ich bin Mitschülerin, Freundin…Französin? Nein, also so weit will ich es dann gar nicht kommen lassen. Denn eine Sache die ich in dieser Zeit Mal auf schmerzliche, Mal auf schöne Weise nochmal erfahren und bemerken durfte ist, ich bin froh über meine Herkunft, meine Vergangenheit, meine Wurzeln und mein altes (aber auch neues) Leben! Man lernt wirklich die kleinsten Dinge wert zu schätzen, sei es nun hier oder in einer Erinnerung an früher. Noch liegt über die Hälfte meiner Zeit in Frankreich vor mir und die will ich noch richtig nutzen, alles absorbieren was mir gegeben und geben was mir gelehrt wurde. Das werde ich wahrscheinlich noch oft schreiben und ich kann es nur jedem raten, probiert es wirklich einfach, auch ein Hindernis ist durch dieses Denken eine Hilfe, eine Hilfe um sich zu entwickeln, zu wachsen. 

Durcheinander und alte Freunde
Meine ‚Stimmungsschwankungen‘,ein ziemlich bitterer Nebeneffekt dieser ganzen Sache, gehen zurück (das hab ich einfach Mal selber diagnostiziert). Ich habe meine Gefühle einfach manchmal nicht so unter Kontrolle, wie ich es sonst von mir gewöhnt bin (zumindest bin ich bei so ‚Ausbrüchen‘ darauf bedacht, nicht unbedingt andere Leute daran teilhaben zu lassen). Ich bin eine Ausnahmesituation! Auch das musste ich akzeptieren. Dinge wie eine wirklich gute Freundin zum ablenken, die Gespräche mit meiner Mutter zum aufpäppeln, insgesamt diesen Austausch mit Gleichgesinnten, den finde ich hier nur sehr schwer und das ist wirklich DAS was mir fehlt. Es ist zumindest etwas erleichternd, das nach langem Gesuche benennen zu können. Mein Kontakt zu Deutschland ist dennoch ziemlich reguliert. Ich vermeide es allzu oft zu skypen und auch nur mit den wenigsten Leuten, denn das löst bei mir manchmal ein ganz schönes Durcheinander aus. Ich sehe wir meine Freunde ‚ihr/mein/unser‘ Leben weiterleben und ich bin einfach kein aktiver Teil mehr, das macht mich ganz schön fertig (egal wie schön, dass Skypegespräch war). Nach dieser Zeit wird einfach beiden Seiten klar ‚wir sind schon verdammt lang voneinander getrennt!‘, über neue, gemeinsame Erlebnisse kann man sich nicht mehr unterhalten, denn sie existieren nicht. Ich weiß, dass dadurch meine Freundschaften zu diesen Menschen nicht weniger bedeutsam sind, es ist einfach nur anders und ziemlich komisch. Über diesen Umstand müssen beide Seiten hinwegsehen können, dann kann für mich mein Leben hier und später das Zusammensein mit ‚meinen‘ Menschen funktionieren. Die ‚andere Seite‘ an sich sieht die Sache nicht halb so dramatisch wie man selbst, glaubt mir. Sie sind ja noch in ihrem bekannten Muster drin. Ihr dürft euch ruhig eingestehen das ihr mehr vermisst als eure Freunde es tun (zumindest, wenn ihr starke, eigensinnige Freunde habt, meine sind‘s) und das sie euch nicht immer verstehen werden, auch wenn das früher vielleicht so war. Es geht vor allem um das hier und jetzt (genau das gilt auch bei euren Freunden), macht euch nicht zu viele Gedanken um das ‚aber wenn ich wieder da bin‘. Bis dahin ist ohnehin noch Zeit und die kann man besser nutzen. Sind es eure wirklichen Freunde, so werden sie euch auch nach diesen läppischen 10 Monaten noch genauso behandeln, es wird genauso ‚klicken‘ und man darf sich einfach darüber freuen, dass man diese Sache durchgestanden hat und beide Seiten ihre eigenen, interessanten Entwicklungen durchgemacht haben. Jetzt richtet euch erstmal nach den naheliegenden Ereignissen, ich meine: Weihnachten, Silvester und all die tollen Dinge wegen denen ihr da seid wo ihr gerade seid.